Kurvendiskussion von ganzrationalen Funktionen ----------------------------------------------- .. toctree:: :maxdepth: 1 kurvendiskussion_ganzrational_aufgaben.rst .. |br| raw:: html
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**Grenzwerte von Funktionen** Bei der Untersuchung der Eigenschaften von Funktionen treten Fragestellungen in Erscheinung, die sich mit dem Verhalten von Funktionen im Unendlichen, in der Umgebung von Definitionslücken oder am Rande eines eingeschränkten Definitionsbereiches beschäftigen. Lösungen zu Problemen dieser Art werden mit Hilfe der Grenzwertberechnung gefunden. Bei den nachfolgenden Betrachtungen stehen nur ganzrationale Funktionen im Mittelpunkt. Hat eine ganzrationale Funktion :math:`f` den Definitionsbereich :math:`D_{f}=\mathbb{R}`, so wird das Verhalten von :math:`f(x)` an den Rändern des Definitionsbereichs so untersucht, dass für die Variable :math:`x` Werte eingesetzt werden die sehr groß sind, also :math:`x\rightarrow\infty`, oder sehr klein sind, also :math:`x\rightarrow-\infty`. Man verwendet dazu die Schreibweise :math:`\underset{x\rightarrow\infty}{\lim}f(x)` oder :math:`\underset{x\rightarrow-\infty}{\lim}f(x)` (sprich: "Limes :math:`x` gegen :math:`\infty` von :math:`f(x)`" oder "Limes :math:`x` gegen :math:`-\infty` von :math:`f(x)`"). Die Berechnung der Grenzwerte :math:`\underset{x\rightarrow\infty}{\lim}f(x)` oder :math:`\underset{x\rightarrow-\infty}{\lim}f(x)` einer ganzrationalen Funktion mit Grad :math:`n \in \mathbb{N}` ist bestimmt durch denjenigen Summanden, bei dem die Variable :math:`x` die größte Hochzahl hat. Dieser Summand wird an dieser Stelle auch **dominanter Summand** genannt. Für :math:`x\rightarrow\infty` gilt dann: :math:`\underset{x\rightarrow\infty}{\lim}f(x)=\underset{x\rightarrow\infty}{\lim}\left(a_{n}x^{n}+a_{n-1}x^{n-1}+a_{n-2}x^{n-2}+\ldots+a_{1}x+a_{0}\right)` :math:`\qquad =\underset{x\rightarrow\infty}{\lim}\left(a_{n}x^{n}\right)`. Für :math:`x\rightarrow-\infty` gilt entsprechend: :math:`\underset{x\rightarrow-\infty}{\lim}f(x)=\underset{x\rightarrow-\infty}{\lim}\left(a_{n}x^{n}+a_{n-1}x^{n-1}+a_{n-2}x^{n-2}+a_{1}x+a_{0}\right)` :math:`\qquad =\underset{x\rightarrow-\infty}{\lim}\left(a_{n}x^{n}\right)`. Bei beiden Betrachtungen kommt für :math:`n\geqslant1` als Ergebnis keine bestimmte Zahl, sondern :math:`\infty` oder :math:`-\infty` in Frage. Deshalb existieren diese beiden Grenzwerte nicht und man spricht hier von Grenzwerten mit *bestimmter Divergenz* |hr| Hat hingegen eine ganzrationale Funktion :math:`f` den Definitionsbereich :math:`D_{f}=\left]x_{l};x_{r} \right[`, also ein offenes Intervall, so wird das Verhalten von :math:`f(x)` an den Rändern des Definitionsbereichs so untersucht, dass die Variable :math:`x` dem Wert :math:`x_{l}` von rechts und dem Wert :math:`x_{r}` von links angenähert wird. Man verwendet die Schreibweise :math:`\underset{x\rightarrow x_{l}^{+}}{\lim}f(x)` oder :math:`\underset{x\rightarrow x_{r}^{-}}{\lim}f(x)`. |hr| Bei der Berechnung dieser Grenzwerte geht man bei ganzrationalen Funktionen so vor, dass die Grenzen :math:`x_{l}` und :math:`x_{r}` des Definitionsbereiches :math:`D_{f}` in :math:`f(x)` eingesetzt werden. Man erhält: :math:`\underset{x\rightarrow x_{l}^{+}}{\lim}f(x)=a_{n}x_{l}^{n}+a_{n-1}x_{l}^{n-1}+\ldots+a_{2}x_{l}^{2}+a_{1}x_{l}+a_{0}` und :math:`\underset{x\rightarrow x_{r}^{-}}{\lim}f(x)=a_{n}x_{r}^{n}+a_{n-1}x_{r}^{n-1}+\ldots+a_{2}x_{r}^{2}+a_{1}x_{r}+a_{0}`. Beide Grenzwertbetrachtungen haben als Ergebnis jeweils eine feste reelle Zahl. Aus diesem Grund existieren beide Grenzwerte und man sagt, dass die Funktion :math:`f` für :math:`x\rightarrow x_{l}^{+}` oder :math:`x\rightarrow x_{r}^{-}` *konvergent* ist. |hr| **Randextrema** Hat eine ganzrationale Funktion :math:`f` als Definitionsbereich :math:`D_{f}` ein geschlossenes Intervall, also :math:`D_{f}=\left[x_{l};x_{r} \right]` und ist die erste Ableitung von :math:`f` an den Rändern verschieden von Null, so liegen am Rande von :math:`D_{f}` Extrempunkte vor. Für den linken Rand gilt: - | :math:`f^{\prime}(x_{l})<0`, so ist der Punkt :math:`H(x_{l},f(x_{l})` ein relativer Hochpunkt von :math:`G_{f}`. - | :math:`f^{\prime}(x_{l})>0`, so ist der Punkt :math:`T(x_{l},f(x_{l})` ein relativer Tiefpunkt von :math:`G_{f}`. Für den rechten Rand gilt: - | :math:`f^{\prime}(x_{r})<0`, so ist der Punkt :math:`T(x_{r},f(x_{r})` ein relativer Tiefpunkt von :math:`G_{f}`. - | :math:`f^{\prime}(x_{r})>0`, so ist der Punkt :math:`H(x_{l},f(x_{l})` ein relativer Hochpunkt von :math:`G_{f}`. Ist am Rand von :math:`D_{f}` die erste Ableitung gleich Null, so beantworten weitere Untersuchungen die Frage, ob am Rande von :math:`D_{f}` Extrempunkte vorliegen. |hr| **Kurvendiskussion von ganzrationalen Funktionen** Die Funktion :math:`f` sei in einem Intervall :math:`\left[a;b\right]` differenzierbar. Dann gilt: - | :math:`f^{\prime}(x)>0` für alle :math:`x\in\left]a;b\right[\Rightarrow f` ist in :math:`\left[a;b\right]` echt monoton zunehmend. - | :math:`f^{\prime}(x)>0` für alle :math:`x\in\left]a;b\right[\Rightarrow G_{f}` ist in :math:`\left[a;b\right]` echt monoton steigend. - | :math:`f^{\prime}(x)<0` für alle :math:`x\in\left]a;b\right[\Rightarrow f` ist in :math:`\left[a;b\right]` echt monoton abnehmend. - | :math:`f^{\prime}(x)<0` für alle :math:`x\in\left]a;b\right[\Rightarrow G_{f}` ist in :math:`\left[a;b\right]` echt monoton fallend. |hr| Die Funktion :math:`f` sei in einem Intervall :math:`\left[a;b\right]` mindestens zweimal differenzierbar. Dann gilt: - | :math:`f^{\prime\prime}(x)>0` für alle :math:`x\in\left]a;b\right[\Rightarrow G_{f}` ist in :math:`\left[a;b\right]` linksgekrümmt. - | :math:`f^{\prime\prime}(x)<0` für alle :math:`x\in\left]a;b\right[\Rightarrow G_{f}` ist in :math:`\left[a;b\right]` rechtsgekrümmt. |hr| Hat die Funktion :math:`f` mit :math:`D_{f}=]a;b[` an einer einzelnen Stelle :math:`x_{0}\in]a;b[` die Ableitung :math:`f^{\prime}(x_{0})=0`, so besitzt :math:`G_{f}` an dieser Stelle :math:`x_{0}` einen relativen Extrempunkt (*Hoch- oder Tiefpunkt*) oder einen *Terrassenpunkt*. |hr| Ist :math:`f^{\prime}(x_{0})=0` und :math:`x_{0}` ist eine Nullstelle von :math:`f^{\prime}` mit *ungerader Vielfachheit*, so besitzt :math:`G_{f}` den *relativen Extrempunkt* :math:`P(x_{0};f(x_{0}))`. Ist :math:`f^{\prime}(x_{0})=0` und :math:`x_{0}` ist eine Nullstelle von :math:`f^{\prime}` mit *gerader Vielfachheit*, so besitzt :math:`G_{f}` den *Terrassenpunkt* :math:`P(x_{0};f(x_{0}))`. Die Art der relativen Extrempunkte von :math:`G_{f}` wird einerseits aus der *Monotonie* von :math:`f` oder :math:`G_{f}`, andererseits mit Hilfe der zweiten Ableitung von :math:`f` ermittelt. |hr| Für die relativen Extrempunkte von :math:`G_{f}` gelten folgende Kriterien: .. math:: \left.\begin{array}{l} f^{\prime}(x_{0})=0\\ f^{\prime\prime}(x_{0})<0 \end{array}\right\} \Rightarrow G_{f} \text{ hat den relativen Hochpunkt }H(x_{0};f(x_{0}))\text{ .} .. math:: \left.\begin{array}{l} f^{\prime}(x_{0})=0\\ f^{\prime\prime}(x_{0})>0 \end{array}\right\} \Rightarrow G_{f}\text{ hat den relativen Tiefpunkt }T(x_{0};f(x_{0}))\text{ .} |hr| Für die Wendepunkte von :math:`G_{f}` gelten folgende Kriterien: .. math:: \left.\begin{array}{l} f^{\prime\prime}(x_{0})=0\\ \text{VZW bei }x_{0} \end{array}\right\} \Rightarrow G_{f}\text{ hat den Wendepunkt }W(x_{0};f(x_{0}))\text{ .} .. math:: \left.\begin{array}{l} f^{\prime\prime}(x_{0})=0\\ f^{\prime\prime\prime}(x_{0})\neq0 \end{array}\right\} \Rightarrow G_{f}\text{ hat den Wendepunkt }W(x_{0};f(x_{0}))\text{ .} |hr| **Integrationsregeln** Die *Integralrechnung* ist die Umkehrung der *Differentialrechnung*. - *Differentialrechnung*: :math:`f(x)\longrightarrow f^{\prime}(x)` - *Integralrechnung*: :math:`f^{\prime}(x)\longrightarrow f(x)=\int f^{\prime}(x)dx+C` ; :math:`C\in\mathbb{R}` |hr| Eine *Stammfunktion* :math:`F` einer gegebenen Funktion :math:`f` ist eine Funktion, die im gleichen Intervall wie :math:`f` definiert ist und es gilt: :math:`F^{\prime}(x)=f(x)`. - Schreibweise: :math:`F(x)=\int f(x)dx+C` mit :math:`F^{\prime}(x)=f(x)` und :math:`C\in\mathbb{R}` Zu jeder integrierbaren Funktion :math:`f` gibt es unendlich viele *Stammfunktionen*, die sich nur durch eine *additive Konstante* :math:`C` unterscheiden. Alle *Stammfunktionen* besitzen an allen Stellen :math:`x_{0}` die gleiche Steigung, da ihre Ableitungen gleich sind. Die *Stammfunktionen* gehen durch Parallelverschiebung in :math:`y`-Richtung ineinander über. |hr| Integrale, deren Integrationskonstante :math:`C` nicht festgelegt ist, werden durch eine *Funktionenschar* repräsentiert. Diese *Funktionenschar* heißt *unbestimmtes Integral*. - | :math:`I=\int f(x)dx+C` ; :math:`C\in\mathbb{R}` |hr| Sind bei einem Integral die Integrationsgrenzen festgelegt, so liegt ein *bestimmtes Integral* vor und das Ergebnis ist eine reelle Zahl. - | :math:`A=\int_{a}^{b}f(x)dx=\left[F(x)\right]_{a}^{b}=F(b)-F(a)\in\mathbb{R}` :math:`F(x)` ist dabei eine beliebige *Stammfunktion* von :math:`f(x)`. Falls für die Funktion :math:`f` gilt: :math:`f(x)\geq 0` für alle :math:`x\in\left[a;b\right]` mit :math:`a